Monumentale Arbeiten

Werner Hartmann arbeitete nicht nur an Staffeleibildern, er interessierte sich auch für Wandmalerei mit weltlichen oder religiösen Themen. Er konnte mehrere monumentale Werke verwirklichen, und zwar in verschiedenen Techniken. So realisierte er einen Wandfreskenzyklus in «fresco buono» für Emmen, zwei Sgraffiti über dem Grab seines Förderers und Lehrers am Lehrerseminar Hitzkirch, Prof. Georg Schnyder, in der Vorhalle der Kirche Kriens, drei grossformatige Leinwandbilder für die Kirche Gerliswil, und in seinem Gesamtkunstwerk der Marienhaus-Kapelle der St. Anna-Schwestern in Luzern setzte er gleich drei verschiedene Techniken ein (Wandmalerei, Keramik, Glasmalerei).

Ausserhalb dieser Werke, die im Folgenden noch näher vorgestellt werden, hat er auch Sgraffiti für die Luzerner Zentralbibliothek entworfen und machte an einem Wettbewerb für Immensee mit, bei dem er den zweiten Preis erhielt; ferner wurde sein Glasfenster-Projekt für die Marienkirche Emmen ausgewählt, aber dann nicht ausgeführt. Der Vollständigkeit halber sei auch sein Beitrag an die Festdekoration der Luzerner Kunstgesellschaft 1936 aufgeführt, wo er freie, schwungvolle Figurengruppen entwarf.

 

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Emmen Dorf, Freskenzyklus an der neuen Gräberhalle im Friedhof,

Leben und Passion Christi, 1937–1938

Werner Hartmann hat 1938 mit 35 Jahren einen Freskenzyklus im Friedhof von Emmen ausführen können. Es war dies eine umfangreiche Arbeit von 13 Figurenszenen aus dem Leben und der Passion Christi in Überlebensgrösse in der Bogenhalle der Friedhofmauer; sie war technisch bemerkenswert in echtem Fresko (fresco buono) ausgeführt, was ein sehr schnelles und sicheres Arbeiten bedingt. In der Umsetzung hielt sich Hartmann an ältere Vorbilder, wie es vermutlich vom Auftraggeber gefordert war. Er erhielt für diese Arbeit, die seit 2004 unter Denkmalschutz steht, eine Auszeichnung der Gleyre-Stiftung.

«Im Lauf dieses Sommers wurde die Friedhofhalle von Emmen bei Luzern mit einem Zyklus von Fresken ausgemalt, der zu den besten Leistungen der modernen religiösen Wandmalerei in der deutschen Schweiz gehört. Der junge Maler Werner Hartmann aus Emmenbrücke ist damit in die vorderste Reihe unserer religiöser Maler gerückt (...).»

Prof. Linus Birchler, ETH Zürich, in: Neue Zürcher Nachrichten, 1938

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Kriens, St.-Gallus-Kirche, zwei Sgraffiti, 1947

Die beiden farbigen Sgraffiti, die Werner Hartmann 1947 beim Grab seines ersten Förderers, Prof. Georg Schnyder (1891–1942), in der Vorhalle der Gallus-Kirche in Kriens gestaltete, wurden 1985 zerstört und sind nur durch Fotos überliefert. (Prof. Georg Schnyder wurde erst mit 50 Jahren Priester und starb bereits ein Jahr später mit 51).

Immensee, Missionshaus Betlehem, Altarbild Kirche, 1943

Im Wettbewerb für ein Altarbild in der Kirche des Missionshauses Bethlehem, Immensee, erreicht Werner Hartmann den zweiten Rang, ex aequo mit Richard Seewald. Gewinner war Ponziano Togni.

Gerliswil (Emmen), Katholische Kirche, Wandgemälde, 1953

Die fünfziger Jahre bringen auch in der Schweiz durch die wirtschaftliche Erstarkung einen grossen Aufschwung im Bereich der kirchlichen Kunst. Hartmann werden einige Arbeiten übertragen. 1953 bringt er eine ikonografisch und farblich originelle Lösung mit seinen Wandbildern in der Kirche von Gerliswil: Der einfach und leise gestalteten Geburt stellt er die auf mächtigen Pferden heranbrausenden prächtigen Drei Könige gegenüber, die sich kühn ins Bild setzen und fasziniert dem Stern von Bethlehem folgen; der kleinformatig angelegten Taufe Christi durch Johannes antwortet das breitgelagerte Hochzeit zu Kana, die in hellen Farben und in orientalisch anmutiger Landschaft stattfindet. Lebendige Figurengruppen richten den Blick auf Maria und den aus dem Zentrum gerückten, in harmonischer Ruhe verharrenden Christus, der die Hand zum Segensgestus erhoben hat.

Die Einweihung dieser Gerliswiler Wandgemälde auf Leinwand fand im Januar 1953 statt, im gleichen Jahr wie seine Einzelausstellung im Kunstmuseum Luzern. Gleichzeitig mit der Ausführung dieser Gemälde muss Hartmann auch bereits an den Entwürfen für die Marienhaus-Kapelle der St. Anna-Schwestern gearbeitet haben.

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Luzern, Marienhaus-Kapelle der Gemeinschaft der St.-Anna-Schwestern, künstlerische Raumgestaltung, 1954

Anfang der 1950er Jahre baute die Gemeinschaft der St. Anna-Schwestern im Areal ihrer Klinik St. Anna in Luzern ein neues Schwesternhaus. Werner Hartmann konnte 1954 die Gesamtgestaltung der dazugehörenden Andachtskapelle übernehmen. Es war der bekannte Kirchenarchitekt Fritz Metzger, der mit ihm Kontakt aufgenommen und ihn als alleinigen Künstler für die Ausgestaltung der Kapelle vorgeschlagen hatte. Hartmann reichte einen ersten Entwurf ein, und Metzger schrieb ihm am 21. Juli 1952: «Im Auftrag der ehrw. Frau Mutter Baldegger kann ich Ihnen die freudige Mitteilung machen, dass Ihr Entwurf die allgemeine Zustimmung fand und zur Weiterbearbeitung und Ausführung bestimmt wurde.»

Hartmann stand hier vor der Möglichkeit, einen Andachtsraum vollständig zu gestalten. Seine Entwürfe für die künstlerische Ausstattung der Marienkapelle basierten auf drei verschiedenen Techniken – Wandbild, Glasfenster und bemalte Keramik – und folgten in ihrer überzeugenden Vereinfachung in Form und Farbe den Richtlinien der Gestaltung für religiöse Kunst, wie sie in den Nachkriegsjahren von kirchlichen und künstlerischen Kreisen aufgestellt und diskutiert wurden. Für die Altarnische gestaltet er ein intimes Fresko mit einer fast nur angedeuteten schwebenden Maria mit gefalteten Händen in zarten Grau- und Weisstönen, die von zwei ebenfalls schwebenden Engeln im Profil begleitet ist. Die sechs grossen Fenster hat er mit Gläsern in zurückhaltenden Farben bestückt. Die ebenfalls zart gestalteten Kreuzwegstationen aus Keramik zeigen die bekannten Szenen der Passion in freier Umsetzung in sparsamen, zeichnerischen Strichen, die auch heute noch sehr modern anmuten.

 

 

Einer der Originalpläne der St. Anna-Kapelle, Ansicht der Fensterwand, gezeichnet von Fritz Metzger Arch. Zürich, 1:20, datiert 3. IV. 1952. Der berühmte Kirchenarchitekt Fritz Metzger war doch massgeblich an dem Kapellenbau und seiner Ausstattung beteiligt, ein Faktum, das bisher zu wenig beachtet wurde. Dieser Beleg fand sich 2013 im Archiv des Künstlers.

Wandmalerei Mariä Himmelfahrt

Das etwa 4 x 4 m grosse Altarbild auf
der Apsiswand zeigt die ins Gebet versunkene, himmelwärts schwebende Madonna mit gefalteten Händen zwischen zwei Engelsgestalten mit mächtigen Flügeln, die sie empor geleiten. Das Wandbild mit den drei Figuren ist mit matten Kunstharzfarben auf einen ziemlich grob-körnigen Verputz aufgetragen. Der Künstler erzielte so eine stark durchscheinende, beinahe entmaterialisierte monochrome Farbwirkung, die sich mit dem ständig wechselnden Lichteinfall der Glasfenster laufend verändert und dem Gebetsraum so eine starke Stimmung verleiht.

Glasfenster

Raumbestimmend gliedern die sechs hohen Fenster die Südwand der Kapelle. Sie sind, mit Ausnahme des oberen Abschlusses mit drei Querrechtecken, in regelmässige kleine hochrechteckige Felder eingeteilt und werden in der Mitte durch ein horizontal durchgehendes Band von dichter gesetzten ornamentalen Fensterstegen gegliedert, die mit ihren Rundformen an stilisierte Wellenlinien erinnern. Dieses transparente Fensterraster mit den recht massiv wirkenden und dadurch Schatten bildenden Unterteilungen hat Hartmann mit aufeinander abgestimmten, zurückhaltend farbigen Glasscheiben gefüllt, wobei die Transparenz der Gläser von unten nach oben zunimmt und so den Lichteinfall nicht nur in der Farbe, sondern auch in der Intensität variiert. Die Skala der zarten Farben reicht von Gelb über sparsames Rot zu Violett und von Gelb über Grün zu Blaugrün. Diese Glasscheiben tauchen den Raum in ein lebendig-wechselndes und doch eher helles Licht, das wiederum vom Altarwandbild aufgenommen und fein reflektiert wird, so dass eine einheitliche starke meditative Stimmung, eine eindrückliche Gesamtwirkung, entsteht.

Werner Hartmann hat sein Ziel so formuliert: «Ein gutes Fenster wirkt fast ausschliesslich durch Farbe und Licht und kann durch das allein schon eine künstlerische und religiöse Empfindung erzeugen.» Bei der Ausführung der Fenster war Fritz Metzger um alles Technische besorgt und suchte dem Künstler möglichst den Rücken freizuhalten, damit er sich auf den Entwurf konzentrieren konnte: «Mit der technischen Ausführung ist Glasmaler Renggli, Luzern betraut.»

 

Kreuzweg

Die vierzehn Kreuzwegstationen, wie sie in der alten Kapelle präsentiert wurden; jede Keramiktafel 23 x 23 cm

Über diesen Kreuzweg hat Pater Hans Ruedi Kleiber SJ ergreifende Meditationen geschrieben, die 2012 veröffentlicht wurden.

Präsentation des Kreuzwegs seit 2012  in der neuen Kapelle der Gemeinschaft der St. Anna-Schwestern in Luzern

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Erst nach den Arbeiten an Wandbild und Glasfenstern beauftragte Architekt Metzger den Künstler Hartmann mit der Gestaltung der Kreuzwegbilder, wobei offenbar Technik und Aufstellung von Metzger bereits bis ins Detail festgelegt worden waren. Er schrieb am 9. August 1952 an Hartmann: «In der Beilage sende ich Ihnen Plan Nr. 9, worin Sie die der Fensterwand gegenüberliegende Wand mit den Kreuzwegstationen sehen. Diese sind in bündig in die Wand eingelassenen glasierten Keramiktafeln in der Grösse von 23 x 23 cm vorgesehen. Der Kreuzweg soll ganz flach in der Wand sitzen und keine farbigen Löcher in dieser erzeugen. Selbstverständlich wäre es vorteilhaft, wenn Sie selbst auch diesen Kreuzweg malen könnten. Ich denke mir auf weissen Grund entsprechend dem Wandton, in einer Farbe gemalte Pinselzeichnung, welche nachher gebrannt und glasiert würde. Vielleicht haben Sie sich noch nie mit dieser Technik befasst? Dann stände Ihnen hier Herr Nikolaus von Martini, Muttenz bei Basel zur Verfügung. Es wird die Ausführung dieses Kreuzweges für Sie etwas umständlich sein. Ich könnte mir auch denken, dass in Zusammenarbeit mit Ihnen ein Maler hier, der schon auf diesem Gebiet seine Erfahrungen gemacht hat, in Frage kommen könnte. Ich denke da an Herrn Helbling in Brugg. Es wäre sehr zu wünschen, wenn dieser Kreuzweg mit der Fertigstellung der Kapelle versetzt werden könnte. Doch soll dieser Wunsch nicht ausschlaggebend sein. Ich ersuche Sie nun diese Frage zu prüfen und mir baldmöglichst Bericht zu geben.» Hartmann machte sich ans Werk, hielt sich in der technischen Umsetzung ziemlich genau an die Vorgaben von Fritz Metzger, gelangte jedoch im künstlerischen Entwurf zu einer grosszügigen und sehr persönlichen Lösung.

Die vom Architekten vorgeschlagene Technik der Keramik kam Hartmanns Abstrahierungstendenzen in seinen Zeichnungen jener Zeit entgegen. Er blieb beim Gegenständlichen, versuchte aber den äusseren Eindruck auf das Wesentliche der Darstellung zu reduzieren. Beschreibende Einzelheiten verschwinden praktisch, mit teilweise nur angedeuteten, stärker und schwächer modellierenden Linien wird das Ereignis umrissen und kann meditativ erschlossen werden. Die wenigen Konturen lassen die traditionell zum Kreuzweg gehörenden Szenen der Passion Christi entstehen; die Tafeln wirken einfach und eindrücklich – ungewohnt neu und modern.

 

Die neue St. Anna-Kapelle

Mit dem Verkauf der Klinik und der neuen Ausrichtung der Schwesterngemeinschaft der St. Anna-Schwestern wurde die alte Marienhauskapelle nicht mehr gebraucht und wurde deshalb aufgegeben. Mit dem Einzug anderer Schwesterngemeinschaften in das Schwesternwohnheim Rosenhalde hat die Anzahl der Gottesdienstbesucherinnen jedoch zugenommen. Denn es ist vorgesehen, die frei werdenden Räumlichkeiten in den Häusern anderen religiösen Gruppierungen, oder auch Einzelpersonen, im Sinne von «Wohnen im Alter» anzubieten. Dieses gemeinsame Wohnen soll spirituell geprägt sein, was auch einen Ort des Gebets voraussetzt. Diese Gründe haben die St. Anna Stiftung bewogen, auf ihrem Areal eine neue Kapelle zu bauen. Bischof Felix Gmür hat am Samstag, 29. September 2012, die neue St. Anna-Kapelle in Luzern gesegnet und feierlich eingeweiht. Von der Ausstattung der alten Kapelle wurde lediglich der Kreuzweg von Werner Hartmann in die neue Kapelle übernommen.

 

Emmen, Marienkirche, Glasmalerei-Entwürfe, 1960

Einer weiteren Aufgabe kirchlicher Kunst stellte sich Werner Hartmann in den Jahren 1958 bis 1960; es ging um die Glasmalerei in der Marienkirche in Emmen. Während Monaten beschäftigte er sich mit Mariendarstellungen und der Technik der Glasmalerei und arbeitete an seinen Glasmalereientwürfen, bei denen er in ausgeklügelter Weise zu vermeiden suchte, dass die Bleistege die Zeichnung, das Motiv allzu stark stören. Leider kam es zu keiner Ausführung, die Kirchgemeinde konnte sich nicht entschliessen, und Werner Hartmann war verständlicherweise sehr enttäuscht.

Aus einem Begleittext des Künstlers zu seinem Entwurf:

«Ich wählte nun die zwei „wichtigsten“ Geheimnisse des freudenreichen, in symbolischer Form, die fünf Geheimnisse des schmerzensreichen und die Krönung Marias des glorreichen Rosenkranzes.

Auf der Erde, von einer symbolischen Dunkelheit umfasst, erscheint der Himmelsbote und verkündet Maria zur Mutter des Erlösers. Die Verkündigung ist durch den grünen Lichtstrahl mit dem Weihnachtsstern und dem Christkind verbunden. Gleichzeitig geht von Maria ein Strom von Formen in harmonischen Farbengläsern durch das ganze Fenster hinauf, die in freier Gliederung die figürlichen Darstellungen orchestrieren sollen. Wie eine Litanei, die in poetischer Sprache des Mittelalters von den Gläubigen zur Ehre und Fürbitte gebetet wird, soll hier in einer Farbensprache unserer Zeit und in einer neuzeitlichen Architektur zu Ehren Marias, Königin des Weltalls, ein Licht- und Farbengesang erklingen.

Durch die Säulen, die das Fenster seitlich gesehen durchschneiden, scheint mir diese Lockerung gegeben. Alle „Strenge“, besonders alle Vertikalen, alles was das Fenster noch schmaler macht, sollte unterlassen werden. Ich kann mir keine kleinen Figuren vorstellen, ohne dass die Komposition anekdotisch und illustrativ wirkt. Der Raum ist gross und wirkt gross. Einzig eine monumentale Komposition kann diesen schönen Raum würdig schmücken.» (Typoskript im Archiv Daniel Hartmann)

 

Entwurf zum Chorfenster mit der Krönung Marias, Tempera auf Karton

(links Ausschnitt)

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