Werner Hartmann entdeckte die Insel Porquerolles 1926 – im gleichen Jahr wie Georges Simenon – auf Betreiben seines Freundes Paul Basilius Barth. Er hielt sich während Jahrzehnten fast jedes Jahr mehrere Monate dort auf bis 1965, wo er sich ein Atelier in der Nähe von Sanary, nicht weit von Toulon, einrichtete.

 

Die ersten Ölbilder zeigen bereits Hartmanns grosse Sicherheit in der Bildkomposition und unkonventionelle Ansätze in der Aufteilung der Leinwand. Sehr schnell löst er sich von der unstrukturierten Flächigkeit der Farben und gibt den belebend sichtbar gemachten Pinselstrichen den Vorzug. Auch auf diesem Gemälde von 1926 fällt auf, wie gekonnt und doch ungezwungen die Probleme des Bildaufbaus gelöst werden, wie sicher er bereits die komplementären Farben innerhalb des Bildes in Schwingung und Ausgleich versetzt. Die Errungenschaften des späten Impressionismus und vor allem Cézannes wirken hier nach, wenn Hartmann mit ausgewogenen Farben und in ruhiger Gestaltung eine Stimmung, ein persönliches Landschaftserlebnis vermittelt.

Porquerolles - Auf dem Weg zum Leuchtturm, 1926

Öl auf Leinwand, 61 x 45,5 cm

Auffallend ist bereits in den frühen Bildern, wie er genaue Konturen vermeidet und Figürliches expressiv und grosszügig mit lockerem Pinselstrich gestaltet. Durch bewusste Verschleifung zwischen Figur und Hintergrund in Formen und Farbe schafft er gelegentlich eigentümlich traurige, an Rouault erinnernde Bildstimmungen wie in seinen Harlekin-Bildern der dreissiger Jahre.

Arlequin assis, 1930

Öl auf Leinwand,

146 x 89 cm

Die Farben seiner ersten Gemälde sind allgemein dunkel, etwas dickflüssig auch, hellen sich aber in den späteren Bildern allmählich auf, bedingt durch das Erlebnis des Südens, das ihm bereits im Mai 1926 auf seinem ersten Aufenthalt auf der Insel Porquerolles in Südfrankreich widerfährt.

Baie à Porquerolles, 1930

Öl auf Leinwand

46 x 60 cm

1931 Aufenthalt in Marokko, ermutigt durch Ernst Morgenthaler;  er hat sehr viel Neues erlebt, war als erster Ausländer Gast des französischen Staates.

Die Ausbeute an Bildern, aber auch an Zeichnungen, die er von seinem mehrmonatigen Aufenthalt in Fez zurückbringt, ist qualitätvoll und gut – wie bekanntlich der Nordafrikaaufenthalt auch für viele andere Maler, darunter Paul Klee und Louis Moilliet, von grosser Bedeutung war. Die Wirkung und die Aufnahme des intensiven afrikanischen Lichts führt bei Hartmann zu Bildern von Landschaften und Figuren, die in Formen und Farben auf das Nötigste reduziert sind: Die rasch hingeworfene, wie skizzierte Darstellung von Landschaft und Personen wird in hellen Farben mit wenig Kontrasten wiedergegeben.

 

Strasse zur Moschee, 1931

Öl auf Leinwand, 100 x 81 cm

Dieses Gemälde, das sowohl ein Stillleben, ein Figurenbild wie eine Stadtlandschaft darstellt, kündet in starker Vereinfachung der Formen und Farben bereits spätere Errungenschaften an. Der Blick des Betrachters (und des Malers) führt über den perspektivisch aufgeklappten, lebendig gemalten Tisch im Atelier des Künstlers an der den wunderbaren Ausblick in lockerer Haltung geniessenden, rot gekleideten Frau vorbei und schweift über die Häuser und Dächer von Paris bis zu dem im stark wolkigen Abendhimmel auftauchenden Hügel von Montmartre mit der weiss leuchtenden Kirche Sacré Cœur.

Sanfte Farben, wenn auch mit starken roten Akzenten, ausgeglichene Lichtführung und eine stark diagonal verspannte Komposition zwischen zwei dominanten vertikalen Elementen evozieren friedliche Ruhe, Geborgenheit und Ausgeglichenheit. Die Malerei ist hier wie eh und je Stimmungsvermittler, doch nun in moderner Perspektive und frei interpretierter Umsetzung der Realität. Unverkennbar ist die persönliche Anteilnahme des Malers, der sich von der Wirklichkeit inspirieren lässt, sie aber gemäss seinem persönlichen Temperament vorträgt, und so eben jene «réalité poétique» kreiert, die ihn mit einer damaligen Gruppe junger französischer Maler verbindet.

Blick auf Paris, 1935

Öl auf Leinwand, 130 x 105 cm

Sammlung Gemeinde Emmen

(Geschenk des Künstlers an seine Heimatgemeinde zum Dank für den Ankauf einer Reihe von Werken zur Verschönerung des neuen Singsaals der Schule Gersag/Emmen.)